Ein Tag im Waldkindergarten

Tagesablauf

Ankunft der Kinder, Begrüßungskreis

Ab 8.00 Uhr nehmen wir die Kinder in Empfang. Der gemeinsame Start in den Tag beginnt spätestens um 8.45 Uhr mit dem Begrüßungskreis. Wir zählen wie viele Kinder da sind und wer fehlt.

Hier haben die Kinder die Möglichkeit anderen etwas mitzuteilen; wir singen, oder lesen ein Buch zusammen, besprechen den Tag und stimmen darüber ab, welche Plätze wir besuchen wollen. Die Platzauswahl ist dabei Jahreszeitenabhängig.

Wanderung zum Tagesziel

Die Kinder sind zu Fuß, oder mit Laufrad, Fahrrad oder Roller unterwegs. Wie wir unterwegs sind, wird vorher im Begrüßungskreis besprochen. Jeder bewegt sich in seinen eigenem Tempo zum nächsten Haltepunkt (Haltepunkte sind Bänke, Brücken und Kreuzungen).

An jedem Haltepunkt wird gewartet, bis auch die Letzten eingetroffen sind; erst dann geht es weiter. Der Weg ist das Ziel und unterwegs gibt es viel zu entdecken.

Frühstück, Freispiel am Tagesziel

Am gewählten Platz angekommen, richten wir uns zunächst einmal ein. Es werden Isomatten ausgelegt. Werkzeug und ggf. Seile ausgepackt, und wetterbedingt das Tarp aufgespannt. Wer möchte frühstückt dann in gemeinsamer Runde.

Die Kinder bestimmen individuell ihr Spiel.

So werden, zB. durch Höhlen oder Wasserbahn bauen, Lehm matschen, schnitzen, sägen, klettern, etc. die
unterschiedlichsten Lernbereiche spielerisch entdeckt und erfahren. Auch die Slackline oder andere Seilschaften werden gelegentlich aufgebaut.

Die Kinder entscheiden selbst, was sie wann mit wem spielen, der Kreativität sind wenig Grenzen gesetzt. Sie können selbst Dinge entdecken, ausprobieren, gestalten, beobachten und begreifen.

Zusammen mit anderen lernen die Kinder ihre Bedürfnisse zu erkennen und einzufordern, sich durchzusetzen oder sich zurückzunehmen, einem anderen zu helfen oder sich helfen zu lassen, bzw. auch um Hilfe zu bitten. Sie lernen ihre eigenen Grenzen und die der anderen kennen. Die eigene Grenze kann sich von der Grenze der anderen unterscheiden. Die Kinder lernen, alleine oder mit anderen Konflikte zu lösen, Rücksicht aufeinander zu nehmen und anderen beizustehen.

In dieser Zeit finden auch Angebote der Betreuer statt, zB. Werkprojekte, Bastelarbeiten, lesen oder kleine Theaterspiele. Diese Angebote sind freiwillig.

Mittag

So gegen 12.00 Uhr versammeln wir uns zum gemeinsamen Mittagessen. Wenn sie mögen, helfen die Kinder beim Rohkost schneiden. (Gelegentlich gibt es ein Kochprojekt.)

Nach einer weiteren Phase des Freispiels räumen wir gemeinsam ein. Für die eigenen Sachen ist jedes Kind selbst verantwortlich, die älteren helfen aber gerne mal den Jüngeren beim Einpacken.

Wir achten darauf, dass nichts, besonders kein Müll zurückbleibt.

Abschlusskreis

Bevor wir uns auf den Rückweg machen, findet mit der ganzen Gruppe ein Abschlusskreis statt. Das kann ein Spiel sein, ein Lied, ein Buch wird vorgelesen oder es gibt kleine Theateraufführungen, geprobte oder improvisierte. Wir verabschieden uns vom Platz und gehen zurück zum Treffpunkt, wieder jeder nach seinem eigenem Tempo.

Ab 13.30 bis 14.00 werden die Kinder vom Treffpunkt abgeholt.

Erfahrungsbericht: Leos erster Tag im Waldkindergarten

Heute habe ich wieder lange geschlafen. Ist ja kein Wochenende. Da wache ich sonst gerne auch früher auf.

Ich bin gar nicht so aufgeregt. Mein Papa wohl schon. Meine Schwester sagt andauernd: He Leo, heute gehst Du in den Kindergarten. Freust Du Dich? Ich sage dann immer: Jaaa…!

Zum Frühstück gibt es ein Honigtost und etwas Milch. Ich helfe Mama beim Packen meines neuen Rucksacks. Scheint alles da zu sein. Dann holt Papa sein Fahrrad mit dem Anhänger. Mama fährt nämlich zur Arbeit und bringt noch meine Schwester zu Oma und Opa. Darum bringt Papa mich heute zum Kindergarten. Ich habe mich schön warm und wetterfest angezogen. Trotzdem friere ich ein wenig vom Fahrtwind. Aber schon bald sind wir da.

Ich steige aus dem Anhänger, nehme meinen Rucksack und gehe mit Papa zum großen Tisch unter dem Segel. Es sind schon ein paar Kinder da. Einige sitzen am Tisch, einige Fahren mit ihren Laufrädern und andere spielen auf einer Burg aus Holz. Ich gehe einfach hin und klettere ein wenig drauf rum.

Beim Morgenkreis sitzen alle Kinder zusammen und jeder soll seinen Namen sagen. Als ich dran bin sag ich: Leo! Das Lied „Der Hase Augustin“ kenne ich nicht, aber ich mag es. Gerlinde fragt wohin wir denn gleich gehen sollen. Alles sagen: zum Drachenplatz! Leider habe ich kein Laufrad dabei aber das macht nichts; ich gehe einfach zu Fuß.

Bald sind wir da. Es ist wirklich wie ein Platz für Drachen. Wie ein verwunschener Garten. Ich schaue zu, wie die Kinder anfangen in den Bäumen zu klettern oder am Bach spielen.

Ich möchte ein Boot bauen und es den Bach herunter treiben lassen. Ich frage meinen Papa ob er mir helfen kann. Er bohrt ein Loch in ein Stück Borke und steckt einen Ast hinein. Als wir es in den Bach setzten, treibt es langsam davon. Das finde ich toll!

Alex fängt an neben dem Feuer Essen zu machen. Einige Kinder kommen und naschen von den geschnippelten Äpfeln, Kohlrabi und Zwiebeln. Ich nasche auch. Lecker!

Dann ist das Essen fertig. Jeder füllt sich etwas in seine Schalen. Es gibt Reis mit Gemüse. Auch lecker! Als alle gegessen haben spielen wir weiter. Dann ist es soweit, dass wir zurück müssen. Wir singen noch ein Abschiedslied und dann fahren und gehen wir alle zusammen zurück zum Begrüßungsplatz.

Ich bin ziemlich müde und möchte, dass mein Papa mich trägt. Leider stellt der sich immer so an. Aber irgendwann nimmt er mich auf den Arm und trägt mich. Ich bin froh als ich wieder in meinem Fahrradanhänger sitze. Und weil der Tag so anstrengend war, schlafe ich prompt ein. Als ich später aufwache bin ich so hungrig, dass ich erst einmal drei(!) große Scheiben Brot mit Sirup esse.

Als mich mein Papa fragt wie es mir denn heute im Kindergarten gefallen hat, sage ich: Gut! Und ob ich morgen wieder hin möchte: Ja!

Leo, 3 Jahre, Waldkind seit April 2015